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Risiko Kinderkrippe

In den ersten drei Lebensjahren wird die Grundlage für die seelische Gesundheit eines Menschen gelegt. In dieser sensiblen Entwicklungszeit bedeuten längereTrennungen von den Eltern eine besondere psychische Belastung für die Kinder.

Während der ersten 36 Lebensmonate ist das Kind wegen seiner körperlichen und seelischen Verletzlichkeit ganz besonders auf eine schützende und stabile Umgebung angewiesen. Es bindet sich an die Menschen, die ihm am verlässlichsten zur Verfügung stehen.

Bindung ist für das noch kleine Kind eine Überlebensnotwendigkeit. Eine sichere Bindung ist die entscheidende Grundlage für sein Selbstwertgefühl und seine Fähigkeit, tragfähige Beziehungen aufzubauen. Seine emotionale und kognitive Entwicklung wird in der frühen Kindheit durch die Stabilität seiner Beziehungen gefördert. Die Verfügbarkeit einer konstanten und verlässlichen Bezugsperson hilft dem Kind, ein „Urvertrauen“ zu gewinnen.

Eine sichere Bindung bewirkt bereits mit vier Jahren eine längere Konzentrationsdauer, selbstständigere Konfliktlösungen und ein höheres Einfühlungsvermögen sowie im Erwachsenenalter eine bessere Beziehungs- und Partnerschaftfähigkeit (Böhm u.Böhm).

Trennungen von den Eltern führen in den ersten Lebensjahren andererseits zu einem bedrohlichen Verlust der Bindungssicherheit und Lebenssicherheit.

Angeblich „pflegeleichte“ Kinder, die gegen die Trennung nicht protestieren, brauchen besondere Aufmerksamkeit, weil ihre seelische Belastung oft nicht erkannt wird.

Eine Krippenversorgung von Kindern in ihren ersten drei Lebensjahren wird daher dem Kindeswohl nicht gerecht.

Die Fremdbetreuung von Säuglingen und Kleinkindern in einem Kollektiv entspricht nicht den Entfaltungsbedingungen des Menschen und kann im Erwachsenenalter zu schwerwiegenden Risikofaktoren in Bezug auf die seelische und körperliche Gesundheit führen. Das wurde durch eine Vielzahl von Studien der Hirn- und Hormonforschung untermauert (Meves).
Je jünger das Kind,
je geringer sein Sprach- und Zeitverständnis,
je länger der tägliche Aufenthalt in der Krippe,
je größer die Krippengruppe,
je wechselhafter die Betreuungen,
umso ernsthafter ist die mögliche Gefährdung
seiner seelischen Gesundheit (DPV).

Körperliche und seelische Erkrankungen
Krippenkinder leiden unter erhöhten Stresshormonen (Cortisol) und erkranken bis zu 69% häufiger als Kinder, die zu Hause in der Familie aufwachsen. 70–90% der ganztägig betreuten Kinder zeigen – auch bei guter bis sehr guter Qualität – einen Cortisol-Anstieg. Auch chronische körperliche Erkrankungen können ihre Ursache in unangemessenen Umgangsweisen mit dem Säugling haben, wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes und Adipositas (Vermeer u. IJzendoorn; Kamper-Jørgensen et al.).

„Kinder, die in den ersten Lebensjahren außerfamiliär in Gruppen betreut wurden, weisen mehr Problemverhalten auf“ (Averdijk et al.).

Die Risikofaktoren außerfamiliärer Betreuung äußern sich besonders in sozialen Defiziten wie Aggression, ADHS, Lügen und Stehlen, Angst und Depression.

Diese Kinder zeigen oft vermehrt eine motorische Unruhe, Konzentrationsmängel in der Schule, einen Aktivitätsmangel (oft als „Faulheit“ eingestuft, z.B. Nichterledigen der Hausaufgaben), Selbstbeschädigungen oder Selbstverletzungen (Haarereißen, Nägelkauen) oder auch Einnässen und Einkoten noch im Schulalter.

Kinder, die in Kindertagesstätten aufwachsen, entwickeln sich später in der Schule eher zu Störenfrieden und Unruhestiftern als Kinder, die zu Hause von ihren Eltern betreut wurden. Das Risiko von Verhaltensstörungen steigt mit der Dauer der Fremdbetreuung an. Auch die Eltern-Kind-Interaktion verschlechtert sich. Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter haben umso größere soziale Schwierigkeiten, je länger sie im Alter bis zu drei Jahren fremdbetreut wurden. Krippenkinder verfügen in der fünften Klasse über einen deutlich geringeren Wortschatz (Belsky et al.).

Im Alter von 0-3 Jahren können bei Kindern schwer revidierbare Beeinträchtigungen hervorgerufen werden, weil sich in dieser Phase die Basis des Gehirns konstituiert. Das geschieht im Bereich des limbischen Systems, der Amygdala und des Hippocampus.

Manche Störungen werden auch erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter sichtbar:
als Depression (mit Versagenszuständen bis hin zu Selbsttötungswünschen),
in Form von Süchten (Habgier, Kaufsucht, Abhängigkeit von Alkohol, Nikotin, Drogen, Esssucht, Bulimie, Magersucht, Schneidesucht, Spielsucht, Stehlsucht, Raubkriminalität).

Aber selbst Kinder mit robusten Genen, die trotz eines erschwerten Lebensstarts Schule und Ausbildung geschafft haben, verfügen keineswegs mit Sicherheit über seelische Stabilität und Beziehungsfähigkeit. Viele scheitern an eigenen Riesenansprüchen, unzureichender Gefühlskontrolle (Wutausbrüche) und einer verringerten Belastbarkeit. Sie sind unzufrieden und unersättlich aufgrund unbewusster diffuser Sehnsüchte, die sich oft sogar unter besten Bedingungen nicht befriedigen lassen.

Voraussetzungen für eine gesunde psychosoziale Entwicklung
1. Präsenz einer liebevollen, einfühlsamen Mutter. Sie wird für diese wichtige Aufgabe während der Schwangerschaft hormonell vorbereitet.
2. Stillen nach Bedarf für mindetens 6 Monate. Jede Mutter kann stillen. Die Milchmenge richtet sich automatisch nach dem Bedarf des häufig angelegten Säuglings. Die Stillhäufigkeit soll deshalb vom Kind ausgehen.
3. Vermeiden von Schreienlassen des Säuglings.Ordnungsprinzipien sind erst später sinnvoll.
4. Vermeiden von Stress und Unruhe. Der tägliche Krippenbesuch mit wechselnden Fremdbetreuern bewirkt dagegen Stress und Angst. Das wurde durch Speicheltests (Cortisol) festgestellt (Vermeer u. IJzendoorn).
5. Eine Geborgenheit in der Nähe und im Schutz von Mutter und Vater schafft die besten Voraussetzungen zu Lern- und Liebesfähigkeit.

Resümee
Kinderkrippen wurden nicht für das Wohlbefinden der Kinder geschaffen.
Krippenschicksal mindert die Voraussetzungen für einen gesunden Lebensaufbau.
Wir brauchen stattdessen einen natürlichen Umgang der Mütter mit ihren Babys und Kleinkindern zur Ausgestaltung eines ausgeglichenen lern- und liebesfähigen Gehirns.

Den größten Einfluss auf die kognitive und soziale kindliche Entwicklung hat die Erziehung durch die Eltern.

Empfehlungen
1. Mutterschaft ist als wertvoller Beruf anzuerkennen.
2. Mütter sind beim späteren Wiedereinstieg oder Neuerwerb einer Berufsausbildung zu favorisieren.
3. Die verantwortungsbewusste Liebe der Eltern für ihr Kind ist als Höchstwert anzuerkennen.
4. Die Fähigkeit von Eltern, ihr Bestes zu geben, hängt davon ab, dass Regierung und Industrie es ihnen ermöglichen, genug Zeit in ihre Kinder zu investieren, ohne den finanziellen Ruin zu riskieren (Grille).

„Es ist nicht länger haltbar, dass Entwicklungswissenschaftler und Krippenverfechter die Auffassung verleugnen, dass frühe Krippenbetreuung ein Risiko für kleine Kinder und vielleicht die ganze Gesellschaft darstellt“ (Belsky et al.).

Literatur
Averdijk, M. et al.: The relationship between quantity, type, and timing of external child-care and child problem behaviour in Switzerland. European Journal of Developmental Psychology 8, 6, 637–660, 2011.
Belsky, J. et al.: Are there long-term effects of early child care? Child Development 78, 2, 681-701, 2007.
Böhm, D., Böhm, R.: Was Kinder brauchen. Voraussetzungen zu seelisch gesunder Entwickung. Tagung Verantwortung für die Familie, 2015.
DPV (Deutsche Psychoanalytische Vereinigung) Berlin, Dezember 2007.
Grille, R.: Parenting for a peaceful world. 2. Aufl. Vox Cordis Press, 2013.
Kamper-Jørgensen, M. et al.: Population-based study of the impact of childcare attendance on hospitalizations for acute respiratory infections. Pediatrics 118, 4, 1439-1446, 2006.
Meves, Ch.: Geheimnis Gehirn. 2. Aufl. Resch Verlag, 2008.
Vermeer, H.J., van IJzendoorn, M.H.: Children’s elevated cortisol levels at daycare: A review and meta-analysis. Early Childhood Research Quarterly 21, 390–401, 2006.