Eltern sind nicht zu ersetzen

Jürgen Liminski
Betreuung zu Hause ist günstiger und besser als in Kindertagesstätten.
Wenn es um Familie und Kinder geht, dann haben in Deutschland die Arbeitsmarktideologen die größeren Megaphone zur Hand. So ist es auch beim Betreuungsgeld. Aber die Befürworter dieser Maßnahme haben die besseren Argumente. Da ist zunächst das rechtliche.

Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Betreuungsurteil 1998 gefordert, dass jede Maßnahme im Bereich der öffentlichen Betreuung von einer privaten flankiert werden müsse. In diesem Sinn sind die 100 € ab 2013 (150 ab 2014) ziemlich kleinlich im Vergleich zu der Subvention eines Krippenplatzes, der im Schnitt etwa 1000 € pro Monat kostet.

Hinzu kommt das politische Argument der Wahlfreiheit. Es gibt keine Wahlfreiheit, wenn beide Eltern aus wirtschaftlichen Gründen erwerbstätig sein müssen. Und der wirtschaftliche Druck auf Familien wächst.

Über die politisch-rechtlichen Argumente hinaus liefert die Hirn-und Bindungsforschung seit zwei Jahrzehnten immer mehr Belege für die Vorteile familiärer Betreuung in den allerersten Jahren.
Nicht nur für den Spracherwerb, sondern auch für die Bildung ganz allgemein. Erst jüngst hat eine amerikanische Studie empirisch nachgewiesen, dass eine fürsorgliche elterliche Zuwendung, vor allem die Mutterliebe, die Hirnentwicklung und besonders auch den Spracherwerb fördert. Das sei auch anatomisch feststellbar, sagt eine der Autorinnen der Studie, Joan L. Luby.

Der Hippocampus, eine Hirnregion, die Emotionen und Stress reguliert, wächst um bis zu zehn Prozent stärker, wenn diese Kinder in den ersten Jahren von der Mutter oder der ersten Bezugsperson viel Zuwendung erfahren. Das deckt sich mit früheren Forschungen, etwa des britischen Wissenschaftlers Jay Belsky, der als wichtigstes Element schlicht festhält: Das Kind braucht jemand, der alles für es tut – „who is crazy for it“. Das ist bei den Müttern meist der Fall. Deshalb hält die Forschung generell fest: Bindung geht vor Bildung.

Krippen und Erzieherinnen können nicht leisten, was die meisten Eltern wie selbstverständlich erbringen, und zwar Tag und Nacht. Aber hier, bei der Qualitätsdebatte, verstummen die Gegner des Betreuungsgeldes. Ihre Megaphone sind Instrumente des Arbeitsmarkts, nicht der Kinderstube.

Quelle: Schlesweg-Holsteinischer Zeitungsverlag 3.4.12


Verantwortung für die Familie e.V.



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