Seit Jahren gibt es Klassiker wie „Faust“ oder „Romeo und Julia“ auch in einer vereinfachten, Ausgabe – eigentlich entwickelt für Real-, Haupt- und Gesamtschulen. Aber immer mehr Gymnasien greifen auf diese vereinfachten Versionen zurück, weil Schüler mit dem Original nicht zurechtkommen. Zu schwierig sei es, zu komplex. Die frühere Referatsleiterin in der Bildungsverwaltung, Christiane Sauerbaum-Thieme, kritisiert: „Traut man unseren Schülern nicht mehr zu, sich mit der Schönheit der Sprache der Klassiker auseinanderzusetzen?“ Ähnlich kritisch äußert sich der Lehrer und Referendarausbilder Robert Radecke-Rauh: „Wenn wir damit beginnen, literarische Texte in einfache Sprache zu überführen, rauben wir den Klassikern ihre ästhetische Substanz und den Gymnasien ihren Anspruch, die Hochschulreife zu erwerben.“